2017

Lageder Oktett

für “Schubert”-Oktett

12 Min.

UA: 26.05.2017 Scharoun Ensemble der Berliner Philharmoniker, Margreid (Süd Tirol)
Dir. Gregor A. Mayrhofer

Auftragswerk von Alois Lageder und dem Scharoun Ensemble der Berliner Philharmoniker

Kl / Fg / Hn / 2Vl / Vla / Vcl / KB

Weitere Aufführungen:
Österreichische Premiere: 27.05.2017 Scharoun Ensemble Berlin Philharmonic — Wattens — Musik im Riesen
Deutsche Premiere: 28.02.2018 Münchner Kammerorchester — Schwere Reiter München
USA Premiere: 10.03.2018 Kaleidoskop Ensemble – Los Angeles
10.03.2018 Münchner Kammerorchester: Neuburg an der Donau
15.04.2019 Karajan Academy der Berliner Philharmoniker, Dir. Gregor A. Mayrhofer — Evang. Stadtkirche Baden Baden
15.05.2020: Ensemble Octopuss — Hochschule für Musik und Theater München

Gedanken zum Lageder Oktett (2017)
Das Lageder-Oktett ist benannt nach seinem Auftraggeber Alois Lageder, auf dessen Weingut in Süd-Tirol ich das Stück schreiben durfte. In der Ruhe der Natur dort war ich sehr fasziniert von den verschiedenen Größenmaßstäben in denen wir diesen weltumspannenden Organismus wahrnehmen — von der Mikrobiologie bis hin zum Riesenkosmos. Man hat einzelne Zellen, diese zusammen formen ein Blatt, viele Blätter formen einen Ast, die vielen Äste werden ein Baum oder ein Busch, diese zusammen werden irgendwann ein Wald – und irgendwann der gesamte Planet.
Diese Beobachtungen hatten auch Einfluss auf meine Musik: Am Anfang steht nur ein einziger Ton, eine „Kernzelle“ die nach und nach beginnt zu pulsieren und sich langsam einzelne Gesten daraus abtrennen. Die Klangobjekte wuchern, vermehren und verändern sich, bis eine kritische Masse erreicht ist, das Ganze in sich zerfällt und somit den Boden für eine neu beginnende Entwicklung bietet.
Ein weiterer Aspekt ist aber auch die Kultivierung des Klangs, ähnlich der Kultivierung des Weinstocks, die ich bei Alois Lageder beobachten konnte. Man lässt die Natur nicht wild wachsen, sondern gibt die Richtung vor, in der sie dann wiederum ihre natürliche Energie entfalten kann.
Viele dieser Entwicklungen sind ganz eng verknüpft mit der Emotionalität der Musik. So wie sich in der Natur aus dem neutralen „Material“ Wasser, Erde etc. plötzlich konkretere Dinge wie Wurzeln, Blüten, Tiere und Menschen entwickeln, die für uns eine Emotionale Bedeutung bekommen können, so entwickelt sich auch das Stück: aus dem „neutralen“ Klangmaterial — am Anfang nur der Ton D — werden mehr und mehr konkreten Gesten, Harmonien und Melodien bis hin zum ganz tonal gefassten Hornsolo im Mittelteil. Interessanterweise gibt es ganz parallel sowohl in der Natur als auch in der Musik den Punkt, wo es über die analysierbare reine „Materie“ hinaus geht und sich plötzlich ein Raum für Bedeutung und Emotionalität öffnet, den wir nur sehr intuitiv beschreiben können. Die Musik wird plötzlich mehr als nur Frequenzen und Zeitabläufe, ein Mensch mehr als nur „organisches Material“.
Meine Musik ist ein Stück weit Ausdruck meiner Faszination für diese verschiedenen Kultivierungsprozesse: Von den chemischen Elementen hin zu komplexen Pflanzen wie dem Wein, von einzelnen Zellen hin zu denkenden und fühlenden Wesen wie uns Menschen und von einzelnen Frequenzen und Zeiteinteilungen hin zu einer Klangkultur die es ermöglicht etwas zu kommunizieren, was wir gar nicht so genau beschreiben können. — Gregor A. Mayrhofer

 

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